Montag, 7. Oktober 2019

[ProtaTalk] mit Martin und Thomas aus "Literary Passion - Verbotene Liebe"


vor dem Eingangstor des Literary Passions, irgendwo in der Nähe von Dresden

Diesmal muss ich keine Portalreisen auf mich nehmen, sondern konnte ganz bequem mit einem Taxi zu meinem heutigen Interviewort fahren – das Literary Passion. Das Hotel ist umgeben von einer Mauer, nur unterbrochen von einem großen Eingangstor. Ich spähe dadurch und kann einen ausladenen Park, eine altehrwürdige Villa und zwei Nebengebäude erkennen. Sieht alles wirklich edel aus, ich muss meine beiden Interviewpartner dann unbedingt mal fragen, was das hier eigentlich genau für ein Ort ist. Über mir erkenne ich eine Sicherheitskamera. Ich nehme an, meine Interviewpartner haben mich schon kommen sehen – denn just in dem Moment treten zwei Männer aus einem Sicherheitshäuschen. Der Riese mit den blonden Locken und dem kurzen Bart muss Martin sein. Obwohl ich nicht klein bin, muss ich zu ihm aufschauen. Unwillkürlich frage ich mich, wie es wohl Vanessa geht, die etwas kleiner als ich ist. Der dunkelhaarige Werwolf daneben ist viel schlanker und eher drahtig. Das dürfte Thomas sein. Beide wirken gut gelaunt. Martin öffnet mir den Besuchereingang und begrüßt mich lächelnd. Thomas schüttelt mir lächelnd die Hand.

Martin: Hallo Andrea, Willkommen im Literary Passion.
Thomas: Hi, wie wäre es, wenn wir in die Bibliothek gehen? Die dürfte dir als Bücherwurm sicherlich gefallen.
Ich: Ja gerne. Ich bin total neugierig, wie eure Bibliothek aussieht.


© Vanessa Carduie
Gemeinsam gehen wir zu unserem Interviewort. Währenddessen bestaune ich das Literary Passion. Es sieht wirklich edel aus und es gibt so viel zu entdecken. Martin erzählt, dass die Villa und ein Teil der Nebengebäude 1905 erbaut wurden. Ich höre nur mit halben Ohr zu, weil ich die imposante Eingangshalle mitsamt geschwungener Prunktreppe und riesigem Kronleuchter bewundere. Der Baustil nennt sich Jugendstil, was sich in verspielten floralen Ornamenten und sogar in der geschwungenen Form der Fenster widerspiegelt. Unsere Schritte werden von einem dicken Teppich gedämpft, während wir einen langen lichtdurchfluteten Flur entlanglaufen, an dessen Wände großformatige Malereien hängen. Ab und an gibt es auch eine gemütliche kleine Nische, die zum Verweilen und Schmökern einläd. Aus den Augenwinkeln sehe ich, dass ein Pärchen dieses lauschige Plätzchen für den zweiten Teil des Hotelnamens nutzt und schaue schnell weg.

Martin (lacht leise): Keine Angst, die turteln bloß. In der Regel läuft der Hauptteil in den Schlafzimmern ab.
Ich: Na da bin ich aber beruhigt^^

Hin und wieder huscht auch edel gekleidetes Personal an uns vorbei. Schließlich erreichen wir die Bibliothek. Staunend blicke ich mich in dem riesigen Raum um. Deckenhohe Bücheregale stehen an den Wänden, kleinere Versionen reihen sich davor auf. Ein großer Kamin mit einem prasselnden Feuer versprüht knisternd Behaglichkeit und Wärme, was ich bei den kühleren Temperaturen sehr zu schätzen weiß. Wow, hier fühlt man sich gleich heimelig. Martin führt uns zu einer Gruppe gemütlich aussehender Lesesessel, die um einen kleinen Tisch herum gruppiert sind. Solche Leseecken finden sich überall verteilt zwischen den Bücherregalen und vor einigen der großen Fenster.

Martin: Setz dich. Möchtest du etwas trinken?
Ich: Ich würde gerne einen Früchtetee nehmen, danke.

Kurze Zeit später kommt jemand von dem edel gekleideten Personal und bringt mir meinen Früchtetee. Danach wende ich mich meinen beiden Interviewpartnern zu.

Ich: Vielen Dank, dass ich heute hier sein und euch interviewen darf. Aber bevor es um euch geht, muss ich erstmal meine Neugier befriedigen. Was genau ist denn das Literary Passion? Ich habe was munkeln hören, dass es eine Art Wellnesshotel der besonderen Art ist. Was kann ich mir denn darunter vorstellen?

Thomas (grinst): Ich denke, einen kleinen Eindruck hast du schon vom Hotel und dem ‚Spezialangebot‘ bekommen.
Martin (zwinkert): Wir verbinden zwei Leidenschaften mit einander: Bücher und körperliche Liebe. Unsere Kundinnen wählen sich ein Themenzimmer, das auf einer Buchgrundlage oder zumindest einer literarischen Grundidee basiert, und in der Regel auch den passenden Host dazu aus. Dabei geht es aber um mehr als Sex. Unsere Hosts sind Gesellschafter, die es den Damen ermöglichen, in ihre Buchfantasie einzutauchen. Daneben haben wir einen gern genutzten Wellnessbereich und veranstalten Lesungen, Themenabende und buchige Workshops.

Ich: Das klingt auf jeden Fall nach einem Wellnesshotel der besonderen Art. Auch wenn ich es ein bisschen creppy finde. Aber jedem das Seine und die Bibliothek kann sich wirklich sehen lassen. Hier gibt es ja verschiedene Wesen. Ich habe was von Vampiren, Inkuben, Sukkuben und Nymphen gehört. Ach ja … und natürlich Werwölfe, was ihr beide ja auch seid. Gibt's Merkmale, anhand derer man euch von den anderen unterscheiden kann? Irgendwie möchte ich ja schon wissen, was für ein Wesen da vor mir steht.

© pixabay
Thomas (schüttelt bedauernd den Kopf): Menschen sollten uns nicht erkennen können, sonst hätten wir etwas falsch gemacht. Wenn du feinfühlig bist, kann es sein, dass du spürst, dass dein Gegenüber irgendwie mehr als ein Mensch ist. Wenn jemand partout nicht mit dir in einer Vollmondnacht spazieren gehen will und plötzlich goldene Iriden hat, könnte es sein, dass er ein haariges Problem hat.
Martin: Ich finde, die Traumwandler (Inkuben und Sukkuben) umgibt eine besondere Aura. Bei ihnen scheint die Verbindung zur Traumwelt irgendwie durch, wenn man in ihre Augen sieht. Bei dem Rest musst du dich leider überraschen lassen.

Ich: Hmm … na dann hoffe ich mal, dass ich so feinfühlig bin^^ Wobei ich auch verstehen kann, dass ihr nicht unbedingt von jedem erkannt werden wollt. Meine nächste Frage ist vielleicht etwas intim, also wenn ihr nicht antworten wollt, ist das vollkommen okay. Wie fühlt sich denn eine Verwandlung an? Und ist es tatsächlich so, dass man sich bei Vollmond immer verwandelt?

Thomas: Das ist schwer zu beschreiben. Wir leben seit der Geburt mit unserer wölfischen Seite, auch wenn sich der Kontakt zu unserem inneren Wolf erst Stück für Stück aufbaut. Ja, wir müssen uns zu Vollmond wandeln, ob wir wollen oder nicht. Die erste Wandlung findet in der Regel mit dem vierzehnten Lebensjahr statt. Sobald der Mond am Himmel steht, drängt der Wolf nach draußen. Man muss sich darauf einlassen und seinem Wolf vertrauen, sonst kann es durchaus schmerzhaft sein. Mir hilft es, wenn ich mich auf das Bild meines Wolfes konzentriere und versuche mich zu entspannen. Immerhin wird der Körper komplett umgebaut. Man wächst und schrumpft irgendwie gleichzeitig. Die Gliedmaßen bekommen dieselbe Länge, die Sicht wird anders und der Geruchssinn deutlich schärfer als in Menschengestalt.

Ich: Ich finde das irgendwie ein bisschen gruslig, wenn ich mir vorstelle, dass mein der Körper da umgebaut wird. Aber es ist sicher etwas Tolles, als Wolf die Umgebung wahrzunehmen. Und wenn wir gerade schon bei etwas intimeren Fragen sind … wie sieht es denn in eurem Liebesleben aus? Steht ihr auf einen bestimmten Typ Mensch … Werwolf?

Martin (wirft Thomas grinsend einen vielsagenden Blick zu): Also ich bin ganz zufrieden mit dem, was ich gerade sehe. Äußerlichkeiten sind mir nicht so wichtig, wobei ich es schon nett finde, wenn ich im Bett das Licht nicht ausmachen muss.
Thomas (stößt ihn leicht von der Seite an): Hey! Werde nicht frech!
Martin (wendet sich grinsend wieder mir zu): Ich weiß gar nicht, was du hast. In meinem Alter suche ich nicht mehr nach dem schnellen Abenteuer, von daher sind mir Treue und Humor wichtiger als ein hübsches Gesicht.
Thomas: Menschen sind etwas offener, was Homosexuelle angeht. Nur müsste man vor einem menschlichen Freund leider geheim halten, dass man ein übernatürliches Wesen ist. Werwölfe haben mit Schwulen ein ziemliches Problem, was die Partnersuche schwierig gestaltet Aber ab und an gewinnt man doch im Lebenslotto. (schaut verliebt zu Martin und streichelt über sein Bein)

Ich (schmunzelt): Das freut mich sehr für euch beide. Auch wenn ich es schade finde, dass Homosexualität immer noch nicht so richtig akzeptiert wird. Werwölfe sind ja in Rudeln organisiert. Wie wichtig ist so eine Bindung zu den Rudelmitgliedern? Kann ich mir das wie eine große glückliche Familie vorstellen? Und mich würde auch interessieren, welchen Status ihr in euren Rudeln habt.

Martin: Das kommt ganz auf den Alpha und die Zusammensetzung an. Meist besteht ein Rudel aus mehreren Familien. Wenn die Jungwölfe erwachsen sind, verlassen sie oftmals ihr elterliches Rudel, aber nicht immer. Es leben also immer mehrere Generationen zusammen. Mein Rudel ist noch recht jung. Es besteht erst seit der Gründung des Literary Passion, wächst aber beständig. Ich bin glücklich, der Alpha dieses liebenswerten Haufens zu sein. Für mich gehören alle meine Wölfe zur Familie.
Thomas (schaut betreten zu Boden): Ich lebe schon seit einigen Jahren ohne Rudel. Es geht, aber schön ist es nicht. Mein altes Rudel hatte ein Problem mit meiner Partnerwahl und war nicht übermäßig familiär.

Ich: Das klingt auf jeden Fall nach einer schönen großen Familie, Martin. Und für dich, Thomas, hoffe ich, dass du auch wieder ein tolles Rudel findest. Vielleicht ist ja in dem von Martin noch Platz für dich. Zeit für eine kleine Schnellfragerunde, die ist jetzt auch wieder etwas einfacher. Süß oder Sauer?
Martin: Sauer
Thomas: Süß

Ich: Tee oder Kaffee?
Martin: Tee
Thomas: Kaffee! Ohne kann ich nicht leben.

© pixabay
Ich: Also ich kann ohne Tee nicht leben^^ Sommer oder Winter?
Martin: Sommer
Thomas: Winter, aber nur wenn es einen prasselnden Kamin gibt und einen gutgebauten Wolf auf dem flauschigen Teppich davor…
Martin (wirft ihm einen feurigen Blick zu): Ein Kamin? So, so. Das bekommen wir hin, mein Lieber.

Ich (lacht): Na dann viel Spaß euch im Winter. Lieblingsessen?
Martin: Schokoladenkuchen
Thomas: selbstgemachte Pizza mit viel Käse

Ich: Pizza ohne viel Käse wäre Frevel^^ Was sind eure Hobbys?
Martin: Ich koche ganz gern und ich freue mich immer, wenn ich Marco zu einer Runde im Trainingsraum überreden kann. Wenn ich entspannen will, nehme ich auch mal ein Buch zur Hand.
Thomas: Ich lese gern oder gehe wandern.

Ich: Also mit dem Lesen haben wir schon mal eine Gemeinsamkeit, wandern ist aber auch schön. Wenn ihr die Chance hättet, die Autorin eures Buches zu treffen, was würdet ihr ihr sagen wollen?
Martin (grinst): Wir nerven Vanessa oft genug. Meistens verstehen wir uns gut, aber manchmal würde ich sie gern schütteln, wenn sie uns mal wieder durch die Hölle schickt.
Thomas: Oh ja! Ich hatte wegen ihr bestimmt mindestens einen halben Herzinfarkt. (wirft Martin einen anzüglichen Blick zu) Auf der anderen Seite hat sie auch interessante Ideen…

Ich: Ähm, ich glaube, das möchte ich nicht genauer wissen. Eine letzte Frage hätte ich noch, dann muss ich mich leider schon wieder auf den Heimweg machen. Thomas, du bist ja Polizist und hast deswegen bestimmt auch schon so einiges erlebt. Über deinen aktuellen Fall wirst du bestimmt nichts sagen dürfen, aber vielleicht hast du schon mal irgendwas Kurioses erlebt, was du erzählen kannst.

Thomas: Puh! Gute Frage. Kommt darauf an, was du hören willst. Ich bin bei der Kripo, von daher haben wir nur selten etwas zu lachen. Mit der Zeit entwickelt man einen gewissen Galgenhumor und gerade in der Gerichtsmedizin kommt es immer mal zu kuriosen Ereignissen. Einmal hat mir der Doktor eine Nierenschale in die Hand gedrückt. Als ich hineinsah, hätte ich sie am liebsten fallen gelassen, weil mich daraus menschlichen Augen anstarrten. Das war wirklich gruselig. (schüttelt sich bei der Erinnerung daran)

Ich (schüttelt sich): Okay, das ist wirklich gruselig. Da wäre ich wohl schreiend davon gelaufen. Vielen Dank euch beiden für das Interview. Mir hat es auf jeden Fall ganz viel Freude gemacht und vielleicht komme ich ja auch mal als Gast ins Literary Passion (zwinkert). Dann habe ich auch Zeit, mal das Gelände zu erkunden. Leider habe ich heute aber noch viel vor, deswegen muss ich jetzt los.

Martin: Vielen Dank, dass du uns besucht hast!
Thomas: Wir freuen uns immer über netten Besuch und der Aufenthalt im Literary Passion wird dir definitiv in Erinnerung bleiben. (beugt sich verschwörerisch zu mir) Die Hosts sind ihr Geld auf jeden Fall wert. Bisher ist hier noch keine unbefr - äh, unzufrieden nach Hause gegangen…
Ich: Okkkay, na dann weiß ich ja Bescheid^^

Die beiden begleiten mich noch zum Tor, wo schon ein Taxi auf mich wartet. Ich winke ihnen zum Abschied noch zu, steige ins Taxi und fahre nach Hause. Das war auf jeden Fall wieder ein spannendes Interview gewesen. Ich freue mich jetzt auf meinen nächsten Besuch im Literary Passion

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Martin und Thomas haben mir in dem Interview einen kleinen Einblick in ihre Geschichte gegeben. Möchtet ihr mehr über die beiden und das Literary Passion erfahren?

Dann solltet ihr euch das Buch „Literary Passion - Verbotene Liebe“ von Vanessa Carduie mal genauer anschauen. Mehr Informationen findet ihr auch auf der Webseite der Autorin (👉hier)


Klappentext: Vor der Vergangenheit und seinen Gefühlen kann man nicht fliehen. Du kannst es versuchen, aber sie werden dich immer wieder einholen.

Martin Groß war einst gezwungen, sein Rudel und damit seine Familie zu verlassen, denn Werwölfe dulden keine Homosexuellen in ihren Reihen. Im „Literary Passion“, einem besonderen Etablissement für Frauen, hat er treue Freunde und ein neues Zuhause gefunden. Mit seinem Aufstieg zum stellvertretenden Sicherheitschef könnte eigentlich alles perfekt sein, doch insgeheim sehnt er sich nach Liebe. Dieser Wunsch bleibt unerfüllt, bis der Halbwerwolf Thomas Neumann auftaucht. Aufgrund schlechter Erfahrungen kämpfen beide gegen ihre Gefühle an, aber die gegenseitige Anziehungskraft ist zu stark. Doch düstere Schatten aus der Vergangenheit bedrohen das junge Glück. Eine offen gelebte Beziehung zu einem Mann verstößt gegen die Gesetze der Werwölfe. Eine Schande, die Martins Vater als der Alpha des Ex-Rudels keinesfalls dulden kann.
Wird Martin für diese „verbotene Liebe“ kämpfen und damit sowohl sich als auch seinen Liebsten in Gefahr bringen, oder lässt er Thomas ziehen, um ihn zu schützen? [Cover-/Textquelle: Vanessa Carduie] 

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