Samstag, 20. Juni 2020

[ProtaTalk] mit Ben aus "Wenn Vertrauen aus Verrat erwächst"


ein kleines Café in Bad Cannstatt (Stadtbezirk von Stuttgart)

Heute hat es mich mal wieder in den Süden verschlagen, Stuttgart hab ich bisher tatsächlich auch noch nie besucht. Zumindest nicht, soweit ich mich erinnern kann. Ich werde die Zeit nachher auf jeden Fall noch nutzen, um mich hier ein bisschen umzusehen. Jetzt habe ich leider keine Zeit dafür, denn ich bin schon wieder ein bisschen spät dran. Mein Interviewpartner Ben Koch erwartet mich wahrscheinlich schon. Ich bin gespannt, welche Einblicke er mir heute geben wird. Ein bisschen was über Polizeiarbeit weiß ich ja durch die anderen Interviews schon, aber es gibt so viele Abteilungen, von denen ich keine Ahnung habe.
© pixabay
Ich betrete das kleine Café, welches Ben als unseren Treffpunkt auserkoren hat, und blicke mich kurz suchend um. Ein paar Tische sind besetzt, mit Ausnahme von einem sind es aber alles entweder Pärchen oder kleine Gruppen. Dann muss der einzelne Mann dahinten wohl Ben sein. Ich gehe auf den Tisch zu.

Ich: Hallo, bist du Ben Koch? Ich bin Andrea, wir hatten uns heute zum Interview verabredet.
Ben: Hi Andrea, freut mich! Ich hoffe, du hast gut hergefunden.

Ich hab mich kaum zu ihm an den Tisch gesetzt, da steht schon eine Kellnerin neben mir. Ich bestelle einen Mangosaft, der auch kurz darauf vor mir steht. Ben sieht mich inzwischen erwartungsvoll an.

Ich: Vielen Dank, dass du dich heute meinen Fragen stellst. Ich hab ja schon die BFE und das SEK näher kennenlernen dürfen. In welcher Einheit arbeitest du denn und wie unterscheidet die sich beispielsweise von den beiden?
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Ben: Ich arbeite nicht bei einer geschlossenen Einheit, sondern bei der Kriminalpolizei, genauer gesagt bei der KI 4, wir sind für Organisiertes Verbrechen und Rauschgiftkriminalität zuständig. Der größte Unterschied zu BFE oder SEK dürfte wohl sein, dass wir bei der Kripo nicht in Körperschutzausstattung in der Menge stehen und somit an vorderster Front sind, sondern oft erst ins Spiel kommen, wenn sich das eigentliche Verbrechen bereits ereignet hat. Ich verbringe in meinem Job relativ viel Zeit am Schreibtisch bei verschiedensten Ermittlungsarbeiten. Trotzdem ist meine Arbeit sehr abwechslungsreich, setzt viel Empathie voraus. Ich muss mich in die Handlungsweisen von möglichen Tätern hineindenken, muss schnell kombinieren können, wann was wo und aus welchem Grund geschehen ist und wie verschiedene Taten zusammenhängen.

Ich: Das klingt nach einem aufregenden Job, auch wenn du eher hinter den Kulissen arbeitest. Ist sicher auch nicht einfach, sich in die Gedanken von Tätern hineinzudenken. Arbeitest du denn auch mit anderen Einheiten zusammen? Ich würde ja zumindest schätzen, dass man die Aufgabengebiete auch nicht immer ganz genau voneinander trennen kann.
Ben: Innerhalb der Kripo sind wir natürlich sehr gut vernetzt. Gerade im Bereich des Organisierten Verbrechens spielen auch oft Dinge eine Rolle, die eigentlich einer anderen Kriminalinspektion unterstehen: Waffenhandel, Tötungsdelikte, auch Cyberkriminalität. Außerdem kann es vorkommen, dass wir direkte Hilfe von anderen Einheiten anfordern: Das MEK (Mobiles Einsatzkommando) und das SEK (Spezialeinsatzkommando) beispielsweise fordern wir an, wenn es um die Festnahme Tatverdächtiger geht. Bei allen Fällen, die über Bundeslandgrenzen oder sogar Landesgrenzen hinausgehen – was bei Drogenhandel oft der Fall ist – arbeiten wir eng mit BKA (Bundeskriminalamt) oder LKA (Landeskriminalamt) zusammen. Und natürlich halten wir stets Kontakt zur Schutzpolizei, denn die sind diejenigen, die bei ihren alltäglichen Streifen oftmals zuerst am Tatort sind oder verdächtige Personen feststellen.

Ich: Gut zu wissen, dass alle Einheiten so gut vernetzt sind. Wobei es bestimmt auch nicht einfach ist, das zu koordinieren, wenn mal mehrere Einheiten an einem Fall dran sind. Gab es denn schon mal einen Moment, in dem du kein Polizist sein wolltest?
Ben: Nein. Natürlich gibt es Situationen, die gerade psychisch nicht einfach zu ertragen sind, aber ich sage mir immer: Ich tue das, um die Welt ein winziges Stückchen besser zu machen, das ist es wert.

Ich: Das ist eine tolle Einstellung und ich hoffe, dass es dir auch weiterhin gelingen wird, die Welt ein bisschen besser zu machen. Gehen wir mal kurz ans Eingemachte. Wie sieht es denn in deinem Liebesleben aus? Was sind für dich NoGos in einer Beziehung? Und die wahrscheinlich wichtigste Frage, bist du momentan in einer Beziehung? Falls ich gerade zu neugierig bin, dann ist es auch okay, wenn du nicht antworten magst.
Ben: Momentan sieht es sehr gut aus, um ehrlich zu sein. Der Weg dahin war nicht ganz einfach, weil ich lange Zeit sehr an einer vorherigen Liebesgeschichte zu knabbern hatte, die mich emotional doch stark gefordert hat. Aber aktuell bin ich verliebt und vergeben. Hmm … NoGos in einer Beziehung… übermäßige Eifersucht und Kontrolle, würde ich sagen. Mir sind Vertrauen und Ehrlichkeit sehr wichtig, aber im selben Moment eben auch Freiheit. Nicht in einem sexuellen Sinn, aber ich will meinem Partner keine Rechenschaft ablegen müssen, wenn ich ohne ihn (oder sie) aus dem Haus gehen möchte. Allerdings muss ich mir auch an die eigene Nase fassen und zugeben, dass ich manchmal echt unzuverlässig bin, wenn es darum geht, regelmäßig meine Nachrichten zu checken.

Ich: Es freut mich, dass du deine Liebe gefunden hast. Und dieses Bedürfnis nach Freiheit kann ich total verstehen. Zeit für eine kleine Schnellfragerunde. Was ist dein Lieblingsessen?
Ben: Currybowl

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Ich: Hab ich tatsächlich noch nie gegessen^^ Deine Hobbys?
Ben: Alles, was draußen stattfindet und Action verspricht: Rafting, Wasserski, Snowboarden… Und ich koche sehr gerne.

Ich: Bei draußen bin ich dabei, ich liebe Skifahren. Kochen ist dann eher weniger meins. Buch oder Film?
Ben: Wenn ich allein bin, Buch, in Gesellschaft sehr gerne ein Film und ein Glas Wein dazu.

Ich: Sehr clevere Antwort. Aber da bin ich ganz bei dir. Zum Abschluss habe ich noch eine Frage, auf deren Antwort ich wirklich sehr gespannt bin. Wenn du die Chance hättest, die Autorin deines Buches zu treffen, was würdest du ihr sagen wollen?
Ben: Puuh, das ist schwer, denn tatsächlich gibt es da etwas, aber es fühlt sich meinem Partner gegenüber mies an, es auszusprechen. Ich würde sie fragen, ob es für Eliàn nicht doch einen anderen Weg hätte geben können. Auch in Bezug auf mich. Aber auch wenn es ihn gegeben hätte, würde ich nicht ändern wollen, was geschehen ist. Ich habe durch diese ganze Sache viel über mich selbst gelernt und ich habe den Mann kennengelernt, der mich wirklich glücklich macht.

Ich: Ich glaube, dein Partner würde es verstehen, dass du darauf gerne eine Antwort haben würdest. Ich finde es bewundernswert, dass du aus so einer Situation so viel mitgenommen und über dich selbst gelernt hast. Ich wünsche dir und deinem Partner von Herzen, dass ihr gemeinsam glücklich werdet. Deine Frage werde ich Svea ausrichten, vielleicht bekommst du ja eine Antwort. Ich danke dir für das Interview und deine Aufrichtigkeit.
Ben: Sehr gerne, war schön mit dir zu plaudern!

Ich verabschiede mich von Ben, bezahle bei der Kellnerin und verlasse dann das Café. Das Interview hat mich doch ein wenig zum Nachdenken gebracht … vor allem Bens Aufrichtigkeit. Wobei ich seine Entscheidung doch nachvollziehen kann. Aber bevor ich jetzt noch weiter in grüblerischen Gedanken verweile, möchte ich mir doch noch ein wenig die Stadt anschauen. Wird sicher eine Weile dauern, bis ich wieder mal hier runter komme.

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Ben hat mir in dem Interview einen kleinen Einblick in seine Geschichte gegeben. Möchtet ihr mehr über ihn, seine Arbeit bei der Kripo und Eliàn erfahren? 

Dann solltet ihr euch das Buch „Wenn Vertrauen aus Verrat erwächst“ von Svea Lundberg mal genauer anschauen. Mehr Informationen findet ihr auch bei der Autorin (👉hier)


Klappentext: Als Rauschgiftermittler der Kriminalpolizei kann Ben sich auf seine Menschenkenntnis verlassen – dachte er zumindest. Umso größer ist für ihn der Schock darüber, dass seine neue Eroberung mit einem Bein im Knast steht. Eliáns Vergangenheit, die ihn bis heute verfolgt, ist jedoch nicht alles, was dafür sorgen könnte, einen Abgrund zwischen ihm und Ben zu reißen. Ebenso schwer wiegt Eliáns Angst, Ben könnte innerhalb seines Jobs etwas zustoßen, und Ben wiederum kommt nicht mit einem Mann klar, der ihn einengt. Für seine Arbeit braucht er einen klaren Kopf. Mehr noch, als er durch zunächst routinemäßig wirkende Ermittlungen auf einen Dealer stößt, dessen Machenschaften weit über die eines Kleinkriminellen hinausgehen. Mit einem Mal sieht Ben sich gezwungen, sich an das Landeskriminalamt zu wenden. In János lernt er einen Kollegen kennen, der seinen festen Platz im beruflichen wie privaten Leben längst gefunden zu haben scheint. Doch auch János trägt Narben der Vergangenheit mit sich.  [Cover-/Textquelle: Svea Lundberg]

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