Sonntag, 19. Januar 2020

[ProtaTalk] mit Sky, Connor und Matt aus "Die Totenbändiger"


London, Camden Town, Mean & Evil

© pixabay
Heute bin ich schon wieder in London und ich schätze, es wird auch nicht mein letzter Besuch sein. Es gibt zumindest noch ein paar Leute und Tiere, die ich gerne treffen würde. Heute ist es ein bisschen später geworden, es beginnt bereits zu dämmern. Aber ich bin vorbereitet und habe meine Silberweste dabei, damit können mir die Geister nicht mehr so viel anhaben. Ich erreiche das Mean & Evil, der Treffpunkt für Totenbändiger. Ein etwas düsterer Laden, aber er hat den Charme eines typischen englischen Pubs: zusammengewürfelt, aber herzlich.
Anscheinend werde ich schon erwartet – denn kaum bin ich eingetreten, kommt eine junge Dame auf mich zu. Anfang zwanzig, durchschnittlich groß, schlank und sportlich. Schwarze Totenbändigerlinien ziehen sich wie ein Tribaltattoo über ihre linke Schläfe. Am auffälligsten sind aber ihre schneeweißen Haare, die aussehen wie zehn Zentimeter lange Ausrufezeichen, die in alle Richtungen abstehen. Das muss Sky sein und wenn ich richtig vermute, dann haben ihr ihre jüngeren Geschwister wohl schon von mir erzählt.

Sky: Hi, du musst Andrea sein. Schön, dass du hier bist. Komm mit, wir sitzen da drüben.


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Gemeinsam gehen wir zu einer der Tischnischen, wo meine anderen beiden Interviewpartner sitzen: zwei ziemlich gutaussehende Typen Mitte zwanzig. Einer ist wie Sky ein Totenbändiger. Die typischen schwarzen Linien ziehen sich über seine Schläfe. Er ist groß und muskulös und wie viele Totenbändiger hat auch er eine krasse Haarfarbe – oder genauer gesagt hat er sogar vier. Sein wuscheliger Schopf ist ein wilder Mix aus rosa und hellblau, mit schwarzen und dunkelgrünen Strähnen. Der Typ neben ihm ist ein Normalo wie ich. Er ist nicht ganz so groß wie der Totenbändiger, hat braunes Haar, einen sexy Drei-Tage-Bart und wirkt ziemlich sportlich.

Ich: Hallöchen, freut mich, dass ich euch heute treffen kann.
Matt (der Totenbändiger): Hi, cool, dass du hergefunden hast.
Connor (der Normalo): Schön dich kennenzulernen. Wir haben schon von den Kids gehört, dass du sie in der Schule interviewt hast und da mit Topher aneinander geraten bist. Scheinst dich ja ganz gut gegen ihn behauptet zu haben.

Ich: Äh ja. Der ist echt ein nerviger Zeitgenosse. Ich hoffe, er macht bald keinen Ärger mehr. Mit deinen jüngeren Geschwistern Sky haben wir vor ein paar Tagen über Berufswünsche gesprochen. Ihr seid da ja schon ein wenig weiter – was macht ihr denn genau?
Sky: Connor und ich arbeiten als Spuk in einer der Spuk Squads der Londoner Metropolitan Police. Wir jagen und bändigen Geister und Wiedergänger, die nachts unsere Stadt unsicher machen.
Matt: Ich bin der Gründer der Ghost Reapers, einer Agentur, die Privatpersonen, Businessleuten oder Firmenbesitzer bei Geisterproblemen hilft. Bosse engagieren uns zum Beispiel als Schutzbegleitung, wenn sie abends Termine haben. Besonders im Winter, wenn es schon früh dunkel wird. Makler oder Firmen buchen uns, um alte Gebäude oder lange ungenutzte Lagerhallen zu inspizieren und von Geistern zu reinigen, wenn sich dort welche eingenistet haben. Außerdem beraten wir Bürger beim Schutz von Häusern und Grundstücken und treiben Geister aus, wenn schon einer Ärger macht. Solche Sachen halt.

Ich: Das klingt ja wirklich nach spannenden Tätigkeiten. Auf der Straße habe ich von was von einem Vorfall mit einem 'Circulus interiore animus manes' gehört. Mein Latein ist praktisch nicht vorhanden, was genau ist das denn? Machen die viel Ärger?
Connor: Ach, du meinst den Vorfall am Highgate Friedhof in der letzten Vollmondnacht? Das waren nur die üblichen Spinner, die in Vollmondnächten immer wieder auftauchen. Diese Sekte nennt sich Zirkel der inneren Seelengeister. War nicht schön, was dort passiert ist, aber wie gesagt, solche Spinner gibt es zu Vollmond leider immer wieder.

Ich: Oh weh, was es nicht alles für seltsame Personen gibt. Momentan ist ja politisch einiges los. Bald wird darüber abgestimmt, ob die Totenbändiger einen Sitz im Rat der Gilden haben sollen. Wie steht ihr denn dazu?
Connor: Definitiv sollen sie einen Sitz im Rat bekommen. Das ist längst überfällig.
Sky: Nur sollte sich diesen Sitz nicht Cornelius Carlton unter den Nagel reißen. Er ist der Leiter der Akademie der Totenbändiger und hat ziemlich radikale Ansichten. Er tut nach außen zwar so, als wolle er ein gemeinsames Miteinander zwischen Normalos und Totenbändigern, aber eigentlich denkt er, dass die Totenbändiger das Sagen haben sollten, weil er uns für die überlegenere Rasse hält. Schließlich können wir mit unseren Kräften ja Geister und Wiedergänger in Schach halten, Normalos können das nicht.
Matt (seufzt): Yep. Mit Carlton wird es sicher noch Probleme geben. Und falls der Rat für einen Sitz für uns Totenbändiger stimmt, sollte der definitiv nicht mit Carlton besetzt werden.

Ich: Dann drücke ich mal alle Daumen, dass ihr den Sitz bekommt. Aber ohne diesen Carlton, der klingt absolut nicht sympathisch. Bei meiner Recherche bin ich auf eine Webseite gestoßen, wo darauf aufmerksam gemacht wird, dass man darüber abstimmen kann, wer euch als Repräsentanten vertreten wird. Seid ihr da auch involviert?
Matt (grinst): Die Seite ist von uns. Genauer gesagt von Jamal, dem Technik-Nerd von meinen Ghost Reapers. Wir fanden, dass Offenheit, Transparenz und Mitbestimmung in unserer Communitiy wichtig sind, denn bisher bestimmen Carlton und seine Anhänger da viel alleine und lassen sich nicht wirklich in die Karten sehen. Wir haben unseren Leuten mit der Website die Möglichkeit gegeben, sich ins Wahlverfahren einzuklinken und viel mehr mitzubestimmen, als bisher möglich war. Und das kommt ziemlich gut an – außer bei Carlton. (grinst fies)

Ich (grinst auch): Hehe, das glaube ich sehr gern. Macht weiter so. Gehen wir mal weg vom politischen und wenden uns spannenderen Themen zu. Wie sieht’s denn in eurem Liebesleben aus?
Connor (nimmt Skys Hand): Wir sind zusammen.
Matt (seufzt): Ich hab eher friends with benefits.

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Ich: Das freut mich für euch beide. Und friends with benefits hat sicher auch seinen Reiz (zwinkert) Zeit für eine kleine Schnellfragerunde. Hund oder Katze?
Sky: Wir haben bei uns zu Hause sowohl als auch, da ist es unmöglich, sich zu entscheiden.
Connor: Yep. Sind alles Chaoten.
Matt (lacht): Aber niedliche.

Ich: Das haben die anderen auch schon gesagt. Ich muss die kleinen, niedlichen Chaoten auf jeden Fall mal kennenlernen. Tee oder Kaffee?
Sky: Eigentlich Tee, aber bei den ganzen Nachtschichten ist Kaffee definitiv ein Segen.
Connor: Ohne Kaffee geht gar nichts.
Matt: Auf keinen Fall. Absolutes Überlebenselixier. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich: Kann ich nicht verstehen (lacht) ich bin sowas von der Tee-Mensch. Morgenmuffel oder Frühaufsteher?
Sky (lacht): Ich bin ein Morgenmensch, der dazu verflucht ist, mit Morgenmuffeln zusammenzuarbeiten.
Connor (grummelig): Ich würde es eher andersherum sehen. Gabriel und ich sind dazu verflucht morgens mit deiner Kommunikationsfreudigkeit klarzukommen. Manchmal schon vor dem zweiten Kaffee! Das ist nicht bloß ein Fluch, dass ist Folter! (kassiert einen empörten Knuff von Sky)
Matt: Ich kann’s mir lebhaft vorstellen. (lacht unverschämt und kassiert auch einen Knuff von Sky) Hey, ich bin auch Team Morgenmuffel. Wer mich vor dem ersten Kaffee anspricht, lebt gefährlich.

Ich: Oh weh, du tust mir Leid, Sky. Dass du das jeden Morgen ertragen musst. (grinst) Eine letzte Frage habe ich nun noch an euch – wenn ihr die Autorin eures Buches treffen könntet, was würdet ihr ihr sagen wollen?
Sky: Sie soll uns Erfolg bei der Aufklärung der Mordfälle schreiben. Und ich hätte für uns Totenbändiger gerne den Sitz im Stadtrat, allerdings soll sich den nicht Carlton unter den Nagel reißen.
Connor (nickt): Ich nehme das, was Sky nimmt.
Matt (grüblerisch, dann ein schelmisches Grinsen): Ich glaube, das, was ich mir wünsche, darf ich hier aus Spoilergründen noch nicht sagen.

Ich: Hach … immer diese Spoiler. Aber na gut, das muss ich jetzt aushalten. Ich danke euch, dass ihr mir meine Fragen beantwortet und einen weiteren Einblick in eure Welt gegeben habt. Ich muss jetzt leider wieder los, ist ja doch ein wenig später geworden. Ich hoffe, meine Silberweste verschreckt alle Geister.
Matt: Jaaa, darauf verlassen wir uns lieber nicht. Wo musst du hin? Wir begleiten dich.
Sky: Definitiv. Bis Äquinoktium ist nicht mehr lange hin. Da drehen die Seelenlosen jetzt schon auf.
Connor (zieht sich seine eigene Silberweste über): Und die Westen sind zwar ganz gut, aber nicht perfekt. Und du hast vermutlich keine Ahnung, wie du Geister blocken kannst, oder?
Ich: Ähh … nope. Sowas lernen wir in meiner Welt leider nicht.

Gemeinsam verlassen wir das Mean & Evil, ich mag das kleine Lokal wirklich gerne und muss definitiv nochmal vorbeikommen. Bis zu meinem Portal sind es nur ein paar Ecken, aber ich bin doch froh, dass die drei mich begleiten. Kurze Zeit später stehen wir auch schon wieder davor.

Ich: Vielen Dank für eure Zeit. Das Interview hat mir total Spaß gemacht und ich habe wieder so einiges Neues erfahren können. Ich hoffe, man trifft sich nochmal wieder.
Sky: Yep, war cool mit dir. Gerne wieder.
Connor: Komm gut heim.
Matt: Bis bald. Man sieht sich!

Ich winke den dreien nochmal zu und steige dann wieder in mein Portal.

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Evan, Jules und Jaz haben mir in dem Interview einen kleinen Einblick in ihre Geschichte gegeben. Möchtet ihr mehr über ihre Geschichte und die Totenbändiger erfahren? 

Dann solltet ihr euch das Buch-Reihe „Die Totenbändiger“ von Nadine Erdmann mal genauer anschauen. Mehr Informationen findet ihr auch auf der Webseite der Autorin (👉hier)


Klappentext: Stell dir vor, du lebst in einer Welt, in der Geister zum Alltag gehören. Jeder sieht sie und jeder weiß, wie gefährlich sie uns Menschen werden können. In dieser Welt gibt es Verlorene Orte, die man den Geistern überlassen musste, und Unheilige Zeiten, in denen die Toten besonders gefährlich sind.

Camren Hunt ist ein Junge ohne Vergangenheit. Im vergangenen Unheiligen Jahr fand man ihn im Keller eines verlassenen Herrenhauses – umgeben von Leichen mit durchschnittenen Kehlen. Niemand weiß, was dort passiert ist, nicht einmal Camren selbst.
Jetzt, dreizehn Jahre später, schlagen sich die Menschen durch ein weiteres Unheiliges Jahr, in dem Geister und Wiedergänger noch gefährlicher sind als sonst. Plötzlich tauchen erneut Leichen mit durchschnittenen Kehlen auf … [Cover-/Textquelle: Nadine Erdmann]

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